Die unerforschten weiten
des Regenwaldes von Amazonien, genauer gesagt im Rio Negro Gebiet, ein Nebenfluß des Amazonas, durchstreifte der Sammler Natterer, um neue Pflanzen- und Tierarten ausfindig zu machen.
Als der Ichthyologe
Dr. Johann Jacob Heckel 1840 einige neue Fischarten aus dieser Sammlung bestimmte, dachte er sicherlich nicht daran, welche Auswirkungen einer dieser Fische auf die Aquarianer der heutigen Zeit haben würde. Dieser
besondere Fisch trägt den Namen Symphysodon discus; er gehört zur Familie der Cichlidae (Buntbarsche). Dr. Heckel zu Ehren wird dieser Fisch heute noch in der Sprache der Aquarianer als Heckel-Diskus bezeichnet.
Der Name Diskus verrät schon sein Aussehen, er sieht nämlich wie eine Diskusscheibe aus; also rund, bis 20 cm Körperlänge und 3-4 cm dick. Er hat eine rotbraune Grundfarbe, türkisfarbene Querstreifen und
einen auffallenden kräftig schwarzen Streifen in der Körpermitte. Bis heute kennt man vier verschiedene Wildfangarten mit allen möglichen Farbvarianten.
1930 wurden die ersten Diskusbuntbarsche nach
Deutschland eingeführt. Erst 1960 kamen die ersten Heckel-Diskus nach Deutschland. Wenige auserwählte Aquarianer hatten die Gelegenheit diese Diskus zu erwerben und den hohen Preis dafür zu bezahlen.
Die
erste zufällige Nachzucht gelang erst um 1940 von Mr. Armbruster in Amerika. Aus mangelnder Kenntnis der Wasserzusammensetzung und Fortpflanzung war es damals unmöglich regelmäßige Zuchterfolge zu erzielen, geschweige
denn mehrere Jahre erfolgreich zu pflegen. Das besondere an der Nachzucht ist, daß die Jungfische einige Tage nach dem Schlüpfen am Körper der Eltern einen besonderen Nährschleim fressen. Sie weiden das Hautsekret
regelrecht ab. Weil man dies nicht wußte und annahm, daß die Fortpflanzung wie bei anderen Buntbarschen funktioniert, entfernte man das Gelege kurz nach der Eiablage und hoffte auf eine große Nachkommenschaft.
Mr. Armbruster befand sich im Urlaub, als seine Diskus ablaichten. Nach seiner Rückkehr sah er, wie die Jungen an den Eltern hingen und fraßen. Seitdem ist die Diskuszucht unaufhaltsam vorangeschritten. In
Deutschland wurde in den 70er Jahren ein Qualitätsstandard gezüchtet, der weltweit zu den Besten zählt und heute noch gilt. Von Generation zu Generation wurden die Farben kräftiger und die typische Form ist erhalten
geblieben. Inzwischen wurden in Südostasien (allen voran Malaysia und Taiwan) neue Farbvarianten gezüchtet, die immer farbenprächtiger und ausgefallener wurden und langsam auch auf dem europäischen und amerikanischen
Markt akzeptiert werden.
Als ich mit neun mein erstes Aquarium bekam, daß mit Guppys, Schwertträgern und Black Mollys besetzt war, war an Diskus überhaupt nicht zu denken. Nach einigen Jahren wurden dann
schon etwas anspruchsvollere südamerikanische Buntbarsche, vor allem Zwergbuntbarsche, gepflegt. Mit etwas Druck von meinem Vater, der gerne wieder Diskus haben möchte, und auf gutes zureden von meinem Cousin, der
bereits Diskus züchtete, wurden mit 15 Jahren meine ersten beiden rottürkis Diskus gekauft, die in einem 60er Becken einquartiert wurden. Nach dem die Beiden leider nicht so wuchsen wie erwartet, mußte bald ein größeres
Aquarium her. Und so wurde der Grundstock für eine kleine Diskuszuchtanlage geschaffen, die, soweit es die Zeit zu läßt, zur Zucht benutzt wurde.
Einige Diskuszüchter bestätigten mir in einem Interview, daß
sie genauso klein anfingen und mittlerweile eine Anlage mit 10 und mehr Aquarien besitzen. Sie betreiben die Diskuszucht mehr oder weniger als Hobby, in speziell eingerichteten Räumen, daß sie nicht mehr loslassen
können.
Es ist immer wieder etwas besonderes, wenn ein Paar sich in leuchtenden Farben umwirbt und schließlich ablaicht. Sehr aufregend ist es zu beobachten, wie die Jungen 2-3 Tage nach dem Schlupf
versuchen die Eltern anzuschwimmen. Dies ist die Schlüsselstelle der gesamten Diskuszucht, gelingt es den Jungen die Eltern zu finden, steht einer erfolgreichen Vermehrung fast nichts mehr im Wege. Eine künstliche
Aufzucht der Jungen ist in den ersten Tagen bisher immer noch fast unmöglich. Trotz einigen anfänglichen Rückschlägen wird man es immer wieder aufs neue Versuchen, bis der erwünschte Erfolg eintritt bzw. die erste
eigene Nachzucht aufwächst.
Ihre ruhige Art und Weise, wie sie sich fortbewegen und fressen, läßt sie majestätisch im Aquarium stehen. Man spricht auch vom König der Aquarienfische. Dies stammt noch aus der
Zeit, als es extrem schwierig war Diskus mehrere Jahre erfolgreich zu hältern.
Jeder der einmal intensiv Diskusbuntbarsche gepflegt hat, kann sich schwer von ihnen trennen, da einem das Diskusfieber
erwischt hat.
Martin Schuster 1995 - 96